Die ostberliner Filmfestwoche

Maria Andergast lädt ins Paradies

Curt Goetz begann „Das Haus in Montevideo“

Wieder Düsseldorier Produktionspläne

Herzogs Aujitakt zur neuer: Saison

Die Anwärter auf den Goldene e

Baden-Baden, 14. Juli 1951 ı Nr. 28

£ILMWOCH

Drei neue Titel bei Merkur-Film :

Nach dem Stoff von Walter Forster „...auf daß Du nicht selbst gerichtet wirst!“ wird Franz Czap seinen nächsten Film unter dem Arbeits- titel „Gefangene der Liebe“ inszenieren.

Weiter wird eine Vorlage von Walter Forster und Werner Eplinius für ein musikalisches Lust- spiel „Tegernseer G'schichten” ver- wendet, bei dem Arthur Maria Rabenalt Regie führt, während Fritz Fischer die Bilder einer großen Eisrevue inszenieren wird. An der Kamera steht Georg Bruckbauer, die Musik schreibt Michael Jary. Drehbeginn für die bei- den Filme ist Mitte August.

Ferner bereitet die Merkur-Film als drittes Vorhaben einen Revue-Film unter dem Titel „Leuchtende Sterne Lachendes Leben“ vor..

In verringertem Umfang

Nach der verstärkten Doppelnummer der vorigen Woche erscheint die vorliegende Aus- gabe der „Filmwoche” als aktuelles Informa- tionsblatt in verringertem Umfang. Die nächste Nummer in normaler Stärke gelangt am 20. Juli zum Versand.

Der Film als politisches Rauschgift

Den bereits gemeldeten drei „Tagen des Fil- mes" auf den diesjährigen Ruhrfestspielen in Recklinghausen hat sich nunmehr noch ein vier- ter Tag beigesellt, der unter dem Thema „Der Film als politisches Rauschgift“ stehen wird. Einige Wochenschauen sowie die bekannte alte Militär-Groteske „Das Ganze halt!” sollen als Beispiele herangezogen werden. Gt.

a „Königin einer Nacht“ klar zum Start

Am 1. August sollen in den Spandauer Ate- liers die Dreharbeiten zu dem ersten Echo-Film, der Verfilmung der Will-Meisel-Operette „Köni- gin einer Nacht“ unter Regie von Kurt Hoff- mann beginnen. Hauptdarsteller sind Ilse Wer- ner, Albert Matterstock, Georg Thomalla, Jeanette Schultze, Vera de Luca, Paul Wester-

EIN WESTERN-BEST-SELLER!

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boyfilm bei Cowgirl-Schlager „Mit Stie-

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meier, Paul Heidemann, Kurt Pratsch-Kaufmann und die 10jährige Bärbel Spanuth, (rd)

„Es war ein Mensch...“ auch in Südafrika Der im Auftrag des Evangelischen Hilfswerks von Curt Oertel gedrehte Film „Es war ein Mensch“ ist von der südafrikanischen Regierung zur öffentlichen Vorführung freigegeben worden. Wie das Evangelische Hilfswerk mitteilt, hat der

Film in zahlreichen Aufführungen in Schweden .

und in der Schweiz starken Eindruck hinter- lassen. Er soll auch auf dem Berliner Evangeli- schen Kirchentag vorgeführt werden.

„Königin Christine” kommt wieder

Im Herbst wird die MGM in Deutschland den Greta Garbo-Film „Königin Christine” aus dem Jahre 1933 in Wiederaufführung herausbringen, nachdem bei einer Abstimmung über evtl.

Garbo-Reprisen 67 vH der Theaterbesitzer sich

für diesen Film entschieden.

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Defa-Meldungen für Karlsbad

Zu den diesjährigen Karlsbader Finifestspie- len, die Ende Juli, Anfang August stattfinden, wurden von der Defa die Filme „Die Sonnen- brucks“, „Das kalte Herz“ und „Der Untertan“ gemeldet. Von den Dokumentarfilmen werden „Der Weg nach oben“, „Unser Präsident ein Sohn des Volkes“ und „Leipziger Messe“ ge- zeigt werden. Ferner wurden sechs Kurzfilme gemeldet sowie die Puppenspielfilme „Aladins Wunderlampe“ und „Moskauer Gäste”, die wie „Der: Untertan“ in der Ostzone offiziell "noch nicht angelaufen sind. (rd)

Löwenthal-Produktion in Deutschland

Von Verhandlungen mit zuständigen Berliner Stellen zeigte sich der Mexiko-Produzent Ru- dolfo Löwenthal so befriedigt, daß er äußerte, er werde möglicherweise eine eigene Produktion in Berlin gründen. (rd)

Allegro dreht weiter

Das unter dem Titel „Der Fürst von Wallen- stein“ angekündigte Allegro-Lustspiel hat den Titel „Aeute Nacht passiert's“ erhal- ten und soll, wie Produktionsleiter Jochen Gen- zow mitteilt, am 25. Juli in Geiselgasteig ins Atelier gehen. Für die Hauptrolle wurde Paul Kemp verpflichtet. wg

Käutner schreibt Drehbuch für Pommer

Erich Pommer hat jetzt die Vorbereitung zu seinem aktiven deutschen Film-Come-back so- weit abgeschlossen, daß er Helmut Käutner beauftragte, das Drehbuch zu seiner ersten Produktion seit 1945 nach einem Stoif von Fritz Rotter zu schreiben. Es handelt vom

Schicksal eines Fernlastfahrers. Hildegard Knef wurde bereits verpflichtet; für ‚die Regie ist Rudolf Jugert vorgesehen. Ei:

.. Bundesregierung will Festival-Filme bestimmen

Zur Zeit wird im Bundesinnenministerium ein Vorschlag ausgearbeitet, in dem die Auffassung vertreten wird, daß die Auswahl von Filmen für Filmfestivals neben der Filmwirtschaft dus- schließlich der Bundesregierung zukomme. Damit soll der Meinung des Bundestagsausschusses für Presse, Funk und Film Rechnung getragen werden. 3

Der Wahl der Filme „Das doppelte Lottchen“, „Herbstgedanken® und dem Peter Lorre-Film „Der Verlorene“ für die Biennale 1951 stimmte Bonn zu. Letzterer Film müsse aber italienisch synchronisiert werden. Den Bonner Persönlich- keiten waren die Filme in Sondervorführungen in Calmuth bei Remagen gezeigt worden.

„Vom Winde verweht“ vor den Bundestags- abgeordneten Den Abgeordneten des Deutschen Bundestages wurde im Bonner Metropol-Theater der MGM-

-Film „Vom Winde verweht“ vorgeführt. Man

zeigte sich von dem Film, der nunmehr der deut- schen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden

‚soll, sehr beeindruckt,

Letzte Meldungen

.. daß auch in Baden-Baden unter dem Namen „Die blaue Lampe“ ein Filmclub ins Vereinsregister eingetragen wurde.

».. daß zur Premiere des RKO-Films „Kon Tiki“, der eine abenteuerliche Floßiahrt von Peru nach Polynesien schildert, der Steuermann des Flosses Erik Hesselberg in Deutschland erwartet wird.

».. daß der neue Expeditionsfilm von Dr. Hans Hass „AbenteuerimRotenMeer“ auf der diesjährigen Biennale und bei der Internationalen Kulturfilm-Tagung in Salzburg gezeigt werden wird.-

».. daß Hans Moser in einem neuen Ernst Marischka- Film mit dem Titel „zwei in einem Auto“ einen Toto-Gewinner spielt, der zusammen mit seinem Kollegen = —— Kleinauto-Reise nach Italien groteske Abenteuer erlebt.

. daß Günter Neumanns „Herrliche Zeiten“ nach der Zuerkennung des Silbernen Lorbeers von einer Kritiker-Kommission für das Programm des Pariser Cin&ma d’Essai ausgewählt wurde, was vom künstlerischen Stand- punkt aus eine hohe Auszeichnung bedeutet,

.».. daß Fritz Peter Buch mit der Abfassung eines Drehbuchs nach Motiven seiner Komödie „Die Mai- nacht“ beschäftigt ist, das als Farbfilm realisiert wer- den soll.

.. daß Elfiie Mayerhofer nach Beendigung der Außenaufnahmen zu dem Wiener Nova-Film „Verlorene Melodien“ im August in Südfrankreich zwei Konzerte gibt, im September in Wiesbaden und Bremen und anschließend noch in Holland auftreten wird,

... daß Michaela Hinz, die Tochter von Werner Hinz und Ehmi Beßel, bei der Neuinszenierung von Georg Büch- ners Drama „Dantons Tod“, mit der die Münchner Kammerspiele mit Maria Niklish, Maria Wimmer und Horst Caspar in weiteren Rollen auf den diesjährigen Ruhr- festspielen in Recklinghausen gastieren, ihr Debüt als Schauspielerin geben wird,

Die ostberliner Filmfestwoche

Was Berlin-West recht ist, ist Berlin-Ost bil- lig. Daher gab es nunmehr auch dort Filmfest- spiele mit Filmen aus den „angeschlossenen“ Ostländern. Die Ostpresse, die es sich zur Auf- gabe gemacht hatte, noch eben die westlichen Festspiele der „Gernegroßen“ nach Strich und Faden zu verreißen, stieß mächtig ins propa- gandistische Horn, als die volksdemokratischen Filme auftauchten, schwelgte in höchsten Tönen des Lobes, ohne allerdings eine Siegespalme zu

vergeben.

Der polnishe Film „Warschauer Premiere“ lehnt sich an die Oper „Halka“ an und schildert die Schwierigkeiten der damaligen Aufführung vor annähernd 100 Jahren, wobei die Kontraste überbetont werden.

Um 1890 spielt der tschechishe Film „Die Sirene*, der nach einem Generationsroman Marie Majerovas den Aufstand der Kladnoer Arbeiter behandelt. Er ist sehr ein- dringlich fotografiert und stellte wohl den wesentlichsten Beitrag der Filmfestspiele dar.

Rumänien war mit „Das Talerschallt“ vertreten, einem mehr dokumentarischen Film mit loser Spielhand- lung, in dem die rumänische Jugend eine Eisenbahnstrecke durch zerklüftetes Bergland baut. |

„IwanSsussanin“ hieß der‘ bulgarische Beitrag, in dem Glinkas Oper im Mittelpunkt steht und wo versucht wird, sie durch eine neuzeitlichere Rahmenhandlung einem breiten Publikum schmackhaft zu machen. Kein uninter- essanter Versuch, aber kaum eindringlich.

China ließ sich durh den Film „Die Töchter Chinas“ vertreten, der hier bereits gezeigt wurde und in dem. heldenmäßig gekämpft wird.

„Ludas Matyi“ ist die Geschichte vom ungarischen Gänsejungen, der nach einem Volksmärchen 50 Stockhiebe vom Gutsherrn bekommt und den heiligen Schwur tut, sie dreifach zurückzuzahlen. Natürlich gelingt’s ihm. Der Film spielt zu Beginn des 19. Jahrhunderts und hat recht humo- rige Szenen.

Sämtliche Filme wurden von der Defa sehr unterschiedlich eingedeutscht. Bemerkenswert,

daß sie überwiegend in einer zurückliegenden

Zeit spielten, natürlich Bezug auf die Gegenwart zu nehmen trachteten, aber doch nicht alle mit Stockschlägen politisch belehren wollten.

Breiten Raum widmete die Ostpresse einem „hohen“ Besuch, der Filmschauspielerin Henny Porten, von der es hieß, sie habe den Besuch der westberliner Filmfestspiele „spontan ab- gelehnt und wolle gern einen Film der Men- schenliebe machen, den man ihr in Westdeutsch- land nicht zugestehen wolle und könne.

Festspiele abschließend diskutiert

Im British Centre in Berlin fand eine Ab- schlußdiskussion über die Berliner Filmfestspiele unter der Fragestellung „Was -haben uns die Filmfestspiele gebracht?“ statt, die vom Filmclub British Film-Society veranstaltet wurde. Leider beteiligen sich die ursprünglich für das round- table-Gespräch genannten Günter Neumann und Karl Jakob nicht. Festgestellt wurde, daß die Organisation beim nächsten Mal wesentlich bes- ser sein müsse. Theaterbesitzer Johannes Betzel machte den Vorschlag, den Festival an den Kur- fürstendamm zu verlegen. Ansonsten diskutierte man über die Frage: Synchronisation oder nicht, Film Industrie oder Kunst.

Außerdem beschwerten sich Clubmitglieder, daß dem Club künstlerische Filme, die im Theaterprogramm kein Erfolg seien, nicht vom Verleiher zur Verfügung gestellt würden, worauf zu fragen wäre, warum gehen denn die Club- mitglieder nicht einzeln oder geschlossen in jene Theater, die diese Filme spielen? rd.

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Ausgabe 28/51.

FILMWIRTSCHAFT

Bonner Tauziehen um die Quota

Erklärungen von AFD und ZDF vor Bundestagsausschuß und Presse GATT, ein neuer Begriff in der Diskussion

In der vergangenen Woche beschäftigte sich der Bundestagsausschuß für Fragen der Presse, des Rundfunks und des Films in mehreren Sitzungen mit der Quota-Frage. Dabei wurden die Interessentenvertreter gehört. So sah man u, a. in den Ausschußsitzungen die Herren Aulich, Dr. Baum, v. Hartlieb, Zobel, Osterwind, Dr. Jonen, Mainz, Stüdemann, Kahlert, Kemp- ken, Will und Heisig. Sie legten die verschie- denen Standpunkte dar, die auch in an- schließenden Pressekonierenzen (siehe unten) behandelt wurden.

Wie hierzu aus gut uniterrichteten Kreisen verlautet, dürfte der Beitritt der Bundesrepu- blik zum Allgemeinen Zoll- und Handeils- abkommen vom 30. Oktober 1947 kurz GATT (General Agreement on Tarifs and

Trade) genannt ausschlaggebend das Schick- sal des Quotagesetzes beeinflussen. Der Ge- setzentwurf zur Ratifizierung des Torquay- Protokolls und dem Beitritt der Bundes- republik zum GATT ist bereits vom Bundes- rat und vom Bundeskabinett verabschiedet worden; die Unterzeichnung dürfte am 1. Sept. erfolgen. Da 30 Tage nach Unterzeichnung das Abkommen wirksam wird, wird praktisch mit dem 1. Okt, 1951 eine Einfuhrkontigentierung von Filmer fortiallen. „Entweder durch eine quotageschützte Abspielbasis für die deutsche Produktion 'oder ungehemmte Überflutung des deutschen Marktes durch Auslandsfilme zu Beginn der neuen Saison!“ So und ähnlich kommentiert man augenblicklich den Ver- handlungsstand in Bonn.

AFD: Es muß endlich gehandelt werden!

Quota einziger Produktionsschutz Erst Quota, dann Filmbank

Am-Tage der zweiten Quoia-Debatte im Bundestagsausschuß für Presse, Funk und Film hielt die Arbeits- gemeinschaft der Filmindustrie in Deutschland in Düsseldorf eine Pressekonferenz ab, in deren Ver- lauf der Geschäitsführer der AFD, Theo Aulich, die Beauftragten des Verbandes Deutscher Filmprodu- zenten Dr. H. B. Baum und Dr. Günter Schwarz, Friedrih A. Mainz, der Syndikus des Verleiher- verbandes, Rechtsanwalt von Hartlieb und der Düsseldorfer Geschäftsführer dieses Verbandes Rudolf Schuh den Journalisten gegenüber die Argumente wiederholten, die sie in Bonn zur Befürwortung der

Quota dargelegt hatten.

Ausgehend von der Feststellung, daß eine um- fassende und schnelle Neuregelung des deut- schen Filmmarktes eine unerläßliche, vordring- liche und von keinem Fachmann in Abrede zu stellende Notwendigkeit sei, befaßte sih Au- lich zunächst mit den Gegenargumenten und -vorschlägen (der Theatersparte:

1. Eine Filmimportkontingentierung ist nach dem inter- nationalen Wirtschäftsabkommen von Torquay (GATT-Ab- kommen) nicht mehr möglich (siehe „Die Filmwoche“ 20/51, Seite 248c: „Besprechungen über Schutz des deutschen Films“). Da es sich hierbei um ein allgemeines Wirtschafts- abkommen handelt, in dem der Film nur eine untergeord- nete Rolle spielt, ist eine Hoffnung auf eine Änderung von vornherein aussichtslos, Mainz teilte hierzu mit, daß bereits jetzt fußend auf Torquay ein neues Gesamt- angebot von über eintausend Auslandsfilmen, die in Deutschland noch nicht gezeigt worden seien, vorliege und sich täglich erhöhe (siehe hierzu auch heutige Artikel „Unbeschränkte Filmeinfuhr durch GATT“ und „Spielquota und GATT-Abkommen“ von Hans Kahlert).

2. Die alliierte Gesetzgebung (völlige Gewerbefreiheit in den Sektoren Presse, Funk und Film) läßt bedauerlicher- weise auch kein neues Zulassungsverfahren in den drei Sparten der Filmwirtschaft zu. In der Theatersparte sei noch durch Heranziehung der Baugesetze eine Schwache Ein- dämmung möglich, Mit einer Änderung der alliierten Ge- IUENEERNR könne kein realdenkender Filmwirtschaftler rechnen,

3. Die alliierte Gesetzgebung verhindert ferner mittels des Dekartellisierungsgesetzes die sonst in-der ganzen Welt übliche und bewährte vertikale Gliederung in der deutschen, Filmwirtschaft (siehe „Die Filmwoche“ 20/51, Seite 248b: „Vertikale Gliederung erforderlih“). Auch

diese Tatsache muß leider als gegeben hingenommen werden,

Damit sind drei naheliegende und erfolgversprechende Wege zur Sanierung der deutschen Filmwirtschaft durch autoritative Anordnungen versperrt.

Das Quota-Gesetz, verbunden mit einer Altersbegrenzung der zu importierenden Filme, sei die einzige in deutsche Hände gege- bene Möglichkeit zum Schutze der eigenen Pro- duktion. Zudem habe sich die Filmmarktregulie- rung mittels Quota in den meisten großen euro- päischen Ländern bewährt. Die Quota sei zwar für die Theatersparte eine sehr einschnei- dende Maßnahme, aber es bliebe keine andere Wahl. Die sowieso beträchtlich geschmälerte Amortisationsbasis des deutschen Filmes müsse zu ihrer ursprünglichen gesunden Form zurüc- kehren. Es gäbe heute praktisch nur Erst- und Nachaufführungstheater; die Quota solle und müsse wieder Zweitaufführungen zu- wege bringen. (Mainz ergänzte hierzu, daß selbst sein Erfolgsfilm „Dr. Holl” infolge Terminnot der Theater kaum ausgespielt würde.)

Natürlich sei die Quota kein Allheilmittel. Ihr, müßten vielmehr auf dem Fuße Film- groschen und Filmkreditbank folgen. Aber der von der Theatersparte vorgeschlagene umgekehrte Weg zunächst Filmgroschen und

dann Filmkreditbank sei unmöglich, da in die- sem Falle das Geld des Finanzierungsinstituts angesichts der bereits auf Abruf wartenden Aus- landsiilm-Invasion im voraus als verloren an- gesehen werden müßte,

Dr. Baum widerlegte dann die Behauptung der Theatersparte, daß das neue deutsche Film- angebot zur Erfüllung der Quota-Pflicht nicht ausreiche, anhand folgender in einer „Vor- lage“ detaillierter Angaben:

Deutsche Spielquotenfilme

angelaufen nach dem 1. September 1949 (Her- stellungsjahre 1949 und 1950):

angelaufen nach dem 1. Januar 1951 (Herstel- lungsjahre 1950 und 1951, eine Produktion 1949): 33 Filme

fertiggestellte, die noch nicht uraufgeführt

94 Filme

wurden: 11 Filme in den Ateliers bzw. im Schnitt zur Zeit: 11 Filme in Vorfinanzierung bzw. Verleih-gesichert: 31 Filme insgesamt zur Erfüllung

der Quota verfügbar 170 Filme

Durch 170 neue deutsche Filme im Rahmen der Quota sei das Auswahlrecht der Theaterbesitzer zu Beginn des neuen Verleihjahres 1951/52 aus- reichend sichergestellt. :

Dr. Baum setzte sich dann mit der Zahl der Filmprodu- zenten auseinander: 128 stünden zwar auf dem Papier, tätig seien eigentlich nur dreißig, und die 31 in Vorbereitung

befindlichen Filme verteilten sich sogar nur auf 16 Produk- tionsfirmen,

ZDF schlägt neutralen

Friedriih A.Mainz befaßte sich dann mit der Forderung derQuotawürdigkeit,die von zwei sehr verschiedenen Blickpunkten aus er- hoben würde. Die Theatersparte möchte nur den geschäftlich guten Film unter dem Schutzdach der Quota sehen, die Presse hingegen den künstle- rischen Film. Würde man der Anregung der Presse entsprechen, so wäre ganz gewiß die Theatersparte die eifrigste Gegnerin des Begriffs der Quotawürdigkeit. Die Quotawürdigkeit, so viel auch für sie spreche, sei einsehrheißes Eisen: Wer solle darüber zu Gericht sitzen und nach welchen Maßstäben solle man urteilen?

Mainz kam dann auf die Bonner Ausschuß-Sitzung vom Vormittag des gleichen Tages zu sprechen, auf der die Theatersparte eine freiwillige Garantie- Ubernahme neuer deutscher Filme vorgeschlagen hatte. Diese Idee käme einige Jahre zu spät und könne heute nur noch als Verzögerungstaktik angesprochen werden, denn es- müsse nun endlich gehandelt werden! Wenn es der Theatersparte gelingen sollte, das Quota-Gesetz end- gültig zum Scheitern zu bringen, so belaste sie ihr Ge- wissen mit einem Verhalten, das man nach allgemeinem Sprachgebrauch wirtschaftlichen Landesverrat nenne. Aulich ergänzte diese harten Angriffe durch die Mit- teilung, daß ein persönlicher Vorschlag von ihm, sich auf der Ebene von vierzehn Quota-Tagen im Vierteljahr zu finden, gleichfalls ohne Diskussion von der Gegenseite ab- gelehnt worden sei. .

Horst von Hartlieb bedauerte, daß die großen ausländischen Verleihfirmen mehr Ver- ständnis für die Notwendigkeit einer Quota im Bundesgebiet zeigten als die deutschen Theater- besitzer.

Der Behauptung, daß der neue deutsche Spielfilm an be- vorzugter Stelle im Terminkälender der deutschen Film- theater geständen habe, wurden umfangreiche Statistiken, die der Presse überreicht wurden (37 Schreibmaschinen- seiten), entgegengehalten. Eine Untersuchung über die Abspielverhältnisse der Erstaufführungsthea- ter in den Verleih-Hauptstädten Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt und München hat für das Jahr 1950 ergeben, daß in diesen Städten der Anteil an Spieltagen, die auf die Verführung von Filmen neuer deutscher Produktion ent- fielen, im Jahresdurchschnitt betrug: Düsseldorf 14,8 vH., München 19,3 vH, Frankfurt 20,0 vH. (im ersten Halbjahr 1951 jedoch nur noch 17,1 vH.) und Hamburg 20,9 vH. im Durchschnitt also 18,75 vH. Auch Wiesbaden und Darmstadt wurden unter die-Lupe genommen: Wiesbaden 22,4 vH., Darmstadt 17,55 vH.

Gemäß $ 4 Absatz 2 des vorliegenden Gesetzentwuries zum Schutze der neuen deutschen Produktion soll die deutsche Spielquote-auf mindestens 21 (= 23,33 vH.) und höchstens 35 (= 38,88 vH.) Tage im Quartal festgesetzt werden. Da aber z.B. in Düsseldorf 1950 nur 69 deutsche Filme anliefen, müßten dort mehrere Premierentheater zu „gemischten Programmen“ also deutsche Filme in Zweitaufführung und ausländische Filme in Erstauffüh- rung übergehen.

Auc einen eur: darüber, wie hoch der Anteil alter Auslandsfiilme an den Gesamtimporten bis zum 30. Juni 1951 war, verschaffte man sich. Von den von der Freiwilligen Selbstkontrolle geprüften Filmen entfielen bei folgenden Ländern nachstehende Anteile auf Produk- tionen der Jahre 1925 bis 1947: Ungarn 93 vH., Schweiz 66 vH., USA 57 vH., Italien 55 vH., Österreich 50 vH., Schweden 47 vH. und England 40 vH ‚(dies sind nur solche Länder, die seit Besehen der FSK mehr als elf Filme zur Prüfung vorlegten!), i

von Hartlieb präsentierte dann zum Thema Block- buchen, das gleichfalls in diesem Zusammenhange von der Theatersparte angesprochen wird, eine Staifel-Statistik. Die Staffel umfaßt acht Filme, von denen der erste über 1500 Abschlüsse aufwies, der zweite 1300, der dritte 1050 usw. —.der achte hingegen nur. noch 400. Angesichts solcher Zahlen habe man wohl kaum noch ein Recht, vom „Un- wesen des Blockbuchens“ großes Aufsehen zu machen.

Eine anschließende Diskussion zog sich über

drei Stunden hin, K.O0,G.

Enquete-Ausschuß vor

. Maßnahmen zur Marktregelung und Produktionshilfe ohne Quota

Ein Sprecher des ZDF hat vor dem Bundestagsausschuß für Presse, Funk und Film zu Beginn der Sitzung zur

Beratung eines Spielquotengesetzes am 5. Juli eine Erklärun

des Zentralverbandes verlesen. Diese Erklärung

ist nach Auffassung der Filmtheatersparte geeignet, die Arbeit zu einer Neuordnung der deutschen Filmwirtschaft und zu einer wesentlichen Produktionshilfe in Gang zu bringen. Der Zentralverband hat sich hierbei von dem Gedanken leiten lassen, daß seine grundsätzliche Einstellung gegen das Quotagesetz aus wohlerwogenen wirt- schaftlichen Gründen nicht geändert werden kann, da hierin kein Weg zur Stützung der deutschen Filmproduk- tion, dagegen sogar eine Gefahr für den Bestand der Filmwirtschaft überhaupt gesehen wird. Die Erklärung‘ des ZDF entspringt dem ehrlichen und verantwortungsbewußten Bestreben, nicht negative Kritik zu üben, sondern vor allem positive Vorschläge zu machen. Das unerfreuliche Bild, das durch die Münchener Schau- tagung entstanden ist, sollte beschleunigt beseitigt werden,

In diesem Sinne hat auch eine erste Fühlungnahme zwischen Vertretern der Filmproduktion und der Film-

theatersparte stattgefunden,

Die Erklärung des ZDF hat folgenden Wortlaut:

1. Die Filmtheater-Sparte begrüßt Hilfsmaß- nahmen für die notleidende deutsche Filmpro- duktion, weil auch sie die Herstellung guter deutscher Filme für lebenswichtig hält und das deutsche Filmtheater-Publikum sie erwartet; sie ist bereit, hierbei mitzuwirken.

Die Filmtheater-Sparte wünscht aber a) Fa diese Hilfe nicht einseitig zu ihren Lasten geht, Ä b) daß die Hilfe nur denjenigen Produzenten zuteil wird, die das Vertrauen genießen, gute, spielbare Filme herstellen zu können, ; Sin r nr

c) daß weitere Maßnahmen mit dieser Hilfe verbunden werden, die auch andere Notstände in der Filmwirtschaft beseitigen und die Gewähr dafür bieten, daß Fehler der Vergangenheit vermieden werden,

d) daß durch diese Hilfe die freie wirtschaftliche Initiative als wesentlicher Faktor zur Erzielung besimöglicher wirt- schaftlicher Ergebnisse bei allen drei Sparten nicht mehr als eben nötig 'beschänkt wird,

2. Die Hilfe des Gesetzgebers müßte sich dem- zufolge darauf beschränken, Hemmnisse zu beseitigen, die die Filmwirtschaft aus sich ' heraus nicht überwinden kann, und dort posi-

38a

Filmwirtschaft 28/51

ZDF schlägt Vor...

tive Unterstützung zu gewähren, wo die eigene Kraft nicht‘ mehr ausreicht.

3. Um den Umfang solcher gesetzgeberischer oder verwaltungsmäßiger Maßnahmen und zwar ihr Minimum wie ihr Maximum fest- stellen zu können, bedarf es einer objekti- ven Untersuchung aller die Filmwirt- schaft berührender Elemente, nicht nur der Wirt- schaftsbeziehung ihrer Sparten untereinander. Das dem Ausschuß bisher vorgelegte Material (Zahlen und Denkschriften) ist vom jeweiligen subjektiven Sparten-Standpunkt beeinflußt. Die

' Filmtheater-Sparte schlägt deshalb nochmals die Einsetzung eines paritätisch besetzten und un- ter neutraler Leitung des Ausschusses oder des Bundeswirtschaits-Ministeriums stehenden En- quete-Ausschusses vor und erklärt sich bereit, die Arbeit dieses Ausschusses in jeder Weise zu unterstützen.

Sie ist aber der Meinung, daß die Arbeit die- ses Ausschusses sich auch auf Fragen der steuerlichen Belastung der Filmwirtschait, einer Markt-Analyse mit Prüfung sämt- licher Preise und Kalkulationen von den Atelier- betrieben bis zu den Filmtheatern und des evtl. erforderihken Schutzes vor Über- setzung im Interesse der Erhaltung ihrer Le- bensfähigkeit erstrecken müßte. Sie glaubt, daß sich aus diesen Untersuchungen wesentliche Er- kenntnisse ergeben werden, wie der deutschen

"Unterstützung der

Filmwirtschaft auch noch auf andere als der bis- her erörterten Weise geholfen werden kann.

4. Als wichtigste Sofort-Maßnahme zur deutschen Filmproduktion sieht die Filmtheater-Sparte, vorbehaltlich der Feststellung des Enquete-Ausschusses, an:

a) Errichtung eines Film-Finanzierungs-Insti- tuts. Dieses müßte die Aufgabe haben, die für die deutsche Filmproduktion zur Verfügung stehenden Gelder zu verwalten und ihren nach kaufmännischen Gesichtspunk- ten zweckmäßigen Einsatz sowie den Rückfluß der Einspiel- ergebnisse zu überwachen.

Finanziert werden dürften nur Produzenten, die

aa) ihr fachlihes Können bewiesen haben,

bb) sich in einer noch festzusetzenden Höhe am Risiko ihrer Filme beteiligen,

ec) die Gewähr bieten, daß sie technisch sauber und spar- sam kalkulieren, ihre Kalkulationen vorbehaltlich eines noch festzusetzenden Überschreitungs-Prozentsatzes auch tatsächlich einhalten und nur mit künstlerisch ausgereiften Drehbüchern und ausreichend vorbereitet ins Atelier gehen, Improvisationen unterlassen und Experimente auf ein Min- destmaß beschränken.

Hierzu erscheint der Einbau einer UÜberwachungs- Dramaturgie in das Film-Finanzierungs-Institut unter

Beteiligung der Filmtheatersparte als bestem Kenner der

Konsumenten, des Publikums, unerläßlich.

b) Einführung eines Filmgroschens zur Beschaf- fung der erforderlichen Mittel für die deutsche Produktion unter gleichzeitiger Vermeidung einer sonst unerläßlichen, aber evtl. umsatzmindernden allgemeinen Erhöhung des Eintrittspreis-Niveaus. :

Der Filmgroschen müßte allerdings, um seinen dop- pelten Zweck, Beschaffung von Mitteln für die Filmproduktion und Erhöhung der Einnahmen bei den Filmtheatern, zum Ausgleich ihrer ständig steigenden fixen Kosten und zur Abdeckung ihrer rück-

Unbeschränkte Filmeinfuhr durch GATT

Interessanter Beitrag aus amerikanischer Feder

In der amerikanischen Zeitschrift „Variety“ erschien ein Originalbeitrag aus Frankfurt, datiert vom 15. 5. 1951, ver- faßt von George F. Gaal, in dem es heißt, daß 1950 zehn MPAA-Firmen in Westdeutschland ingesamt 28 560 000 Dol- lar eingespielt hätten. Nach Steuerabzügen, nach Abzug von Verleihspesen und sämtlichen Nebenkosten (wie Syn- chronisation) soll ein Nettobetrag von 3 #32 000 Dollar ver- blieben sein, der wahrscheinlich über ECA konvertiert werde.

In dem aufschlußreichen Beitrag heißt es u.a., daß auf Grund des GATT-Abkommens ab 1.September alle Einfuhrbeschränkungen ent- fallen werden, und die Firmen der MPAA, der SIMPP sowie der unabhängigen Gruppen ihre Filme ohne Verzögerung oder Beschränkungen einführen könnten. Die amerikanische Industrie werde dafür ‚nicht auf Konvertierung ihrer

Dollarguthaben aus den künftigen Einspiel- geldern drängen, um die westdeutsche Devisen- lage ni'ht in Gefahr zu bringen. Wörtltch heißt es später in dem Bericht weiter: „Wir ver- danken es in erster Linie Marc M, Spiegel, daß der freie Import und die Terminquote in Höhe von 27 vH, mit deren Gesetzeserlaß fest zu rechnen ist, durchgeführt wird. Dem Plan des unbeschränkten. Importes wurde von deutschen Regierungsvertretern bei den Verhandlungen des. General Agreement for Trade and Tarifs (GATT) in Torquay zugestimmt. Vor Torquay hatten die Deutschen eine Vereinbarung mit der Klausel angestrebt, daß der freie Import von der jeweiligen . Devisenlage abhängen müsse,“

Spielquota und GATT-Abkommen

In den Gesprächen über die Einführung einer gesetzlichen Spielquotenregelung wird im ver- stärkten Maße auf das sog. GATT-Ab- kommen hingewiesen, das durch die Be- schlüsse von Torgquay festgelegt worden ist. Dem Deutschen Bundestag liegt der Entwurf eines Gesetzes über das Protokoll von Torquay sowie über den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum allgemeinen Zoll- und Han- delsabkommen vom 30. Oktober 1947 vor. Es kann damit gerechnet werden, daß dieser Ge- setzentwurf eine schnelle Ratifizierung durch den Bundestag erfährt, nachdem der Deutsche Bun- desrat bereits zugestimmt hat. Den Standpunkt der deutschen Filmtheaterwirtschaft zu den Beziehungen zwischen GATT-Abkommen und Filmquota legt Hans Kahlert nad- folgend dar.

Das GATT-Abkommen ist insofern für die Quotafrage von Bedeutung, als es einen auf den Film bezogenen Paragraphen enthält (Tarif Nr. 3808 des Abkommens), der folgenden Wort- laut hat:

„Sollte die Bundesrepublik Deutschland eine Filmquota tür die Vorführung von Filmen deutschen Ursprungs ein- führen, so würde die Bundesrepublik keinerlei Verbote oder Einschränkungen (außer allen nicht die Qualität be- treffenden Einstufungen oder anderen belastenden Kenn- zeichnungen) aufrechterhalten oder einführen, ganz gleich ob diese durch Quotas,. Import- oder Exportlizenzen oder andere Maßnahmen bei der Einführung von Filmen, die das Produkt irgend eines anderen Vertragspartners sind, wirksam wurden. Weiterhin dürfte, falls die Bundesrepublik eine derartige Filmquota einführen sollte, diese nicht 27 Pro- zent übersteigen,

Jedoch wird hierdurch nochmals zum Ausdruck gebracht, daß für den Fall des Inkraittretens einer Filmquota im oben angegebenen Sinne und daß im Falle die deutsche Devisen- lage Verbote oder Einschränkungen erforderlich werden sollten, diese nur durch eine Blockierung des Gewinns er- wirkt werden können.”

Nun wird von den Quota-Freunden ausgeführt, daß spätestens im Herbst dieses Jahres die Ein- fuhr von ausländischen Filmen völlig frei sei. Etwaige Kontingentierungsmaßnahmen, wie sie zur Zeit noch in Anwendung kämen, würden so- dann in Fortfall kommen müssen. Sofern neben dem Überhang an Filmen ein gewisser Anteil des deutschen Marktes geschützt bleiben sollte, könnte dies nach dem GATT-Abkommen nur auf dem Wege einer Quotenregelung geschehen. In-

358 b

- Qualität deutscher Filme voraussetzen.

folgedessen sei eine Quotenregelung unvermeid- lich, Diese Schlußfolgerung ist aber auf jeden Fall unzutreffend, Es steht eindeutig fest, daß das GATT-Abkommen keineswegs die Deutsche Bundesrepublik dazu zwingt, eine Spielquo- tenregelung auf gesetzlicher oder sonstiger Ba-: sis einzuführen. Weiterhin steht fest, daß mit oder ohne Einführung einer Filmquota das GATT-Abkommen immer noch die Blockie- rung der künftigen Gewinne aus der Einfuhr ausländischer Filme in Deutschland zuläßt. Es ist daher ein Trugschluß, wenn man den Quota-Gegnern vorhält, das GATT-Abkommen gebiete die Einführung der Spielquota. Es führt vielmehr nur zu der Feststellung, daß es die Einführung einer Quotenregelung als Mittel der. Marktregelung nicht verbietet.

Die Frage nach der Notwendigkeit oder Ver- meidbarkeit einer Quotenregelung liegt somit auf einem ganz anderen Gebiet als dem inter- nationaler Abkommen. Die Filmtheaterwirtschaft glaubt mit überzeugenden Argumenten dargelegt zu haben, daß eine gesetzliche Spielquotenrege- lung weder notwendig noch geeignet ist, eine Förderung der deutschen Filmproduktion herbei- zuführen. Und hier liegt der zweite Trugschluß der Quota-Freunde, die aus dem GATT-Ab- kommen die Notwendigkeit einer Quota ab- leiten. Siefürchten den freien Markt und müßten dies eigentlich nur dann tun, wenn sie auch zukünftig die bisherige mangelhafte Dann aber verdienen sie den angeblichen Schutz einer Quota nicht, die ja nicht die Unzulänglichkeit decken soll. Wird aber die Herstellung qualitäts-

mäßig wertvoller und geschäftsgängiger Filme

gewährleistet, so bedarf es deshalb keiner Quo- tenregelung, weil die deutschen Filmtheater und das sie besuchende deutsche Publikum solchen Filmen ohne weiteres jeden Vorzug geben. Die Frage nach der Quota ist unter dem Ge- sichtspunkt des GATT-Abkommens somit falsch gestellt, Re Hans Kahlert

ständigen. finanziellen Verpflichtungen (einschließlich Leihmieten) zu erfüllen, in allen Bundesländern Steuer- freiheit genießen. Im Interesse der Aufrechterhaltung einer

leistungsfähigen deutschen Filmproduktion. als Voraus-

setzung eines anhaltenden guten Besuches der Filmtheater und damit im Interesse der ergiebigsten Steuerquelle der Gemeinden müßte dieses Entgegenkommen der Länder wenigstens auf einige Jahre zu erwarten sein.

Die durch den Filmgroschen aufgebrachten Mittel müßten,

soweit sie für Zwecke der Filmproduktion bestimmt sind, dem Filmfinanzierungs-Institut zufließen.

c) Bereinigung des Verleih-Systems als Ursache der Termin-Verschuldung bei den Film- theatern und als Voraussetzung für eine beschleu- nigte Terminierung der neuen deutschen Filme, sowie einer auf Vertrauen beruhenden, den individuellen Absatzmöglichkeiten jedes einzelnen Filmtheaters Rechnung

tragenden und damit höchste Einspielergebnisse gewähr--

een Zusammenarbeit zwischen Filmverleih und Film- eater. )

Dieses könnte dadurch erreicht werden, daß

aa) die durch das Film-Finanzierungs-Institut finanzierten Filme nur über wenige, von anderen Interessen wirt- schaftlich unabhängigen Verleihfirmen vertrieben werden,

bb) das Blocken grundsätzlich verboten wird, um da- mit Filmen die volle Einsatzmöglichkeit nach Maßgabe von Qualität und Abspielfolge zu ermöglichen,

cc) dass Blindbuchen beschränkt wird,

dd) einheitliche paritätisch ausgewogene: Bezugs- bedingungen eingeführt werden, um das Risiko des Filmgeschäfts gleichmäßig zu verteilen und das Vertrauen der Filmtheater zum Filmverleih wieder herzustellen,

ee) eine Alterbeschränkung für Filme erfolgt, evtl, durch Entzug oder Ungültigkeitserklärung der Zulassungs-Be- scheinigung der Freiwilligen Selbstkontrolle.

5. Die genossenschaftlichen Bestrebungen der Filmtheater zeigen den Weg an, wie auf frei- williger Basis denjenigen Produzenten und ihren Filmen, die das Vertrauen der in der Ge- nossenschaft zusammengeschlossenen Film- theater genießen und die im Einvernehmen mit ihnen arbeiten, eine Spiel-Termin-Garantie ver- schafft werden kann, die für den einzelnen Film höher ist als sie in einem Quota-Gesetz garan- tiert würde. .

6. Die Filmtheater-Sparte ist der Überzeugung, daß eine Reorganisation der deutschen Filmpro- duktion in der aufgezeigten Weise eine we- sentlichere Kreditgrundlage bilden würde als ein im Ergebnis fragwürdiges Quota- Gesetz, und daß sie sehr schnell zu einer Quali- tätsverbesserung des deutschen Films und .da- mit zur Überwindung der Vertrauenskrise der Filmtheater-Besucher führen würde. Damit aber schafft sich der deutsche Film von selbst die erforderlichen und ihm zustehenden Ter- mine; denn die Filmtheaterbesitzer werden im eigenen Interesse, wie im Interesse ihrer Be- sucher die Filme abschließen und terminieren, die von den Besuchern gewünscht werden.

Zwangs-Abschlüsse aber im Rahmen eines Quota-Gesetzes über unzulängliche Filme för- dernnicht den deutschen Film, sondern ver- längern und verschärfen die Vertrauenskrise der Öffentlichkeit, auf deren Mitwirkung es letzten Endes allein ankommt.

Die Filmtheater-Wirtschaft erklärt sich jeder- zeit bereit, auf der Grundlage dieser Gedankengänge an der Ausarbeitung und Durchführung geeigneter Maßnahmen zur Unter- stützung der Filmproduktion mit den anderen Sparten zusammenzuarbeiten.

*

Der Wirtschaftsverband der Nordrhein-Westfalen lud im Einvernehmen mit dem Zentralverband der Deutschen Film- theater die in Bonn akkreditierten Journalisten zu einem Pressempfang ein. Der Geschäfts- führer des Verbandes Fischer informierte die Pressevertreter über den Inhalt der obigen, dem Bundestagsausschuß für Fragen der Presse, des Rundfunks und des Films über- gebene Erklärung der Theaterbesitzer zur Quotafrage. In der Aussprache ergriffen die Herren "Kahlert, Stüdemann und Kempken, letzterer als Präsidialmitglied des ZdF und Sprecher der Theatersparte innerhalb der Spio, das Wort.

Nachrichten aus Bonn ZDF-Zweigbüro in Bonn -

Der Zentralverband (der Deutschen . Film- '

theaterwirtschaft e.V. hat ab 2. Juli vorüber- gehend im Bonner Metropol - Theater " ein Zweigbüro eröffnet, Anschrift: Bonn, Markt 24, Telefon 5221. Bd

Noch keine Stellungnahme der Hochkommission zum neuen Lex-Uti-Entwurf i Wie aus gut unterrichteten Kreisen in Bonn

verlautet, ‘wurde der kürzlih den Hohen

Kommissaren vorgelegte deutsche Lex-Ufi-Ent-

wurf durch die Sachverständigen beraten: Eine

Stellungnahme der Hohen Kommission ist *bis-

her nicht bekannt geworden.

Bundestag beriet Jugendschutzgesetz

- Das Jugendschutzgesetz ist Mittwoch, den 11. Juli vom Bundestag beraten worden. Bis zum Redaktionsschluß lagen Berichte hierüber nicht vor,

Filmtheater

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Westermeier, Sieber,

EIN FILM DER

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Und mit ihm bringen Sie zum Lachen:

Greihe Weiser, Fita Benkhoff, Inge Landgut, H.v. Meyerinck, Arno Paulsen, Arno Assmann, Pontow, Haagen als Regisseur: E. W. Emo, als Komponist: Friedrich Schröder und als Autoren: bert Tjadens, Erwin Kreker, Kurt Werner.

Bild: Hans Schneeberger Bau: Franz Schroedter Produktionsleitung: KarlJunge Gesamtleitung: Rolf Meyer

Nach der Uraufführung in der Waldbühne Berlin ab 10. Juli in CAPITOL und ROXY, ab 13, Juli in folgenden Berliner Theatern: Corso, Primus, Stern, ab 20. Juli in weiteren 20 Theatern Berlins.

WESTDEUTSCHER START

9. August Weltspiele Hannover, anschließend Schauburg Bremen, Passage Hamburg, Hahnentor Köln usw.

| JUNGEN FILM UNION

Her-

Im Verleih der DEUTSCHEN

Deutsche London-Film Hilfe, ich bin unsichtbar

„Gleiche Quelle gleiche Elle“ möchten wir in Abwand- lung des Schlußwortes des sonntäglichen Rias-Filmkritikers Friedrich Luft zu diesem neuen Emo-Film sagen, der es kann schon gar nicht mehr anders sein eine Groteske darstellt. Alles dreht sich um Theo Lingen, der, vom Experimentieriimmel besessen, sich unsichtbar gemacht zu haben und sein Dasein oder Wiedererscheinen in körper- licher Form nur dem Alkohol zu verdanken glaubt. Das ist ein vordergründiger, klamaukhafiter Spaß, der unter Ver- zicht auf jegliche künstlerischen Ambitionen hergestellt wurde. Wenn er trotz der oft recht billigen Eifekte und der nicht immer überzeugenden Tricks tatsächlich ladien macht, so liegt es an dem Aufgebot eines Dutzends der- versierten

Komiker deutscher Filmlustspielschule als da sind: Grethe

Weiser, die verzweifelt rumbatanzende Schwiegermutter Theos, Arno Aßmann, ein vergeblich verliebter junger Mann, Hubert v. Meyerinck, ein experimentierender Schausteller, Josef Sieber, ein kreischender Ausrufer, Arno Paulsen, ein notorischer Scheidungsanwalt, FitaBenk- hoff, eine ratzebutzende Halbweltdame, die in solchen Fällen unvermeidliche Zwangsjacke und anderes. Nur Inge

Landgut dari in diesem konventionellen Unsinntrubel versuchen, so etwas wie einen Menschen zu verkörpern.

Zweifellos werden 90 :vH. ‘der Theaterbesucher Tränen des Lachens vergießen, der Rest wird die Zähre des Wei- nens zerdrücken, denn während die Länder um uns mit ihren Filmen aufrütteln und sich zur Aussage aufschwin- gen, träumt der deutsche Film wie sein Hauptdarsteller und macht sich unsichtbar für die Welt.

Ein Jfu-Film im Verleih .der Deutschen London-Film. Vorführdauer: 85 Minuten. Uraufführung am 7. 7. in .der Waldbühne, Berlin. Jugendfrei, ‚feiertagsverbot.

H.R.

Columbia

Der Mann, der herrschen wollte (All the Kings Men)

Dieser Film ist vorbelastet in günstigem Sinne, das Buch Robert P. Warrens, nach dem er gedreht wurde und das auch in Deutschland viel gelesen worden ist, erhielt den Pulitzer-Preis, der Film vier „Oscars“: für Regisseur und Autor Robert Rossen, den besten Haupt- darsteller Broderick Crawford und für die beste weib-

Nach gewonnener Wahlschlacht j : 5 gratulieren Mitarbeiter und Journalisten dem neuen Gouverheur Willie Stark. Der für seine schauspielerische Leistung

mit dem Oscar ausgezeichnete Broderick Crawford in der Titelrolle des Columbia-Films

schenwollte“ (All the King's Men).

Mann, der herr- Foto: Columbia-Films

„Der

'&

liche Nebenrolle, die Mereedes sowie als bester Film des Jahres,

Es ist ein politischer Film, den sein Regisseur teil- weise im Rossellinischen Stil drehte, um der Echtheit ent- gegenzukommen. Was hier nämlich geschildert wird, hat sich in Amerika in den dreißiger Jahren zugetragen. Es geht auf das Schicksal des Gouverneurs von Louisiana, Huey P. Long, zurück, der im Film Willie Stark heißt. Dieser urwüchsige Bauernbursche, mit durchtriebener Schläue ausgestattet, erscheint als „von der Vorsehung geschickt“, um unter den korrupten Politikern aufzu- räumen. Kaum jedoch an der Macht, verfällt er selbst den Versuchungen. Zwar ‚tut er Gutes, baut Spitäler, Straßen, Brücken, Schulen aber im Innersten ist alles korrupt an ihm und seinen Mannen. So wie es hier auf- marschiert, ist das betörte Volk, sind jene Mitläufer aus höchsten Kreisen. Und dann findet sich doch ein Rächer, dessen Kugel, Willie Stark eben noch auf einem neuen Höhepunkt seiner Triumphe tödlich trifft.

Regisseur Robert Rossen gelang die Übertragung des Romans ins filmische Bild besser als die deutsche Buc- bearbeitung („Der Gouverneur“). Was dort an einzelnen Stellen trocken wirkt, wird im Film dadurch aufgelockert, daß das Charakterbild einiger Personen verschoben oder unterstrichen wird. Diese Freiheit kommt dem Film zugute. Es wird nicht nur von den Preisträgern glän- zend gespielt, sondern auch von den anderen Beteiligten, als da sind Joanne Dru als dem Diktator verfallene Geliebte, Anne Symour als verlassene Frau, : John Derek als der hochgezüchtete und gezüchtigte Stief- sohn, Shepperd Strudwick als adliger Anwalt, der den Raifinessen des „Führers“ nur durch Selbst- mord widersteht; John Ireland als Journalist und Raymond Greenleaf als Rächer der Geknechteten. Die Kamera führte mit glanzvollen Uberblendungen und eindringlichken Massenszenen Burnet Gafifey.

Der Originaltitel ist einem englischen Kinderreim ent- lehnt, indem es heißt, daß Humpty-Dumpty, als er von der hohen Mauer fiel, von „all des Königs Mannen“ nicht wie- der zusammengesetzt werden konnte, So tief stürzte auch Willie Stark. So tief stürzten noch andere. Aber, die Parallele, die sich hier und da aufzudrängen scheint, kann nicht in Anwendung gebracht werden. Das Problem der Diktatur stellt sich in USA doch anders dar. Ein aufsehen- erregender Film für Amerika. Für Deutschland nach der greifbaren Mahnung von 1945 eine zusätzliche auf der Leinwand. „Wähler aller Parteien, seht diesen Film!“ schrieb der Schaumann des Marmorhauses an sein Theater. Er hatte Recht mit diesem Appell. Der Brocken muß ge- schluckt und verdaut werden, gerade weil er keine süße Pille ist, sondern der rauhen Wahrheit so nahe kommt.

Eine Columbia-Produktion im eigenen Verleih. Vorführ- dauer: 109 Minuten. Deutsche Erstaufführung in deutscher Fassung von Ultra-Film am 16. Juli 1951 im Marmorhaus, Berlin. Uneingeschränkt zugelassen. H.R.

McCambrigde spielte,

für alle Kreise

für alle Theater DORING-FILM

359

MIDAS - Filmverleih

zeigt in

INTERESSENTEN - VORFÜHRUNG

am 17. Juli 1951

Frankfurt, Metro im Schwan um 930 Uhr

die Filme

„Kritische Jahre“

(Regie Luigi ZAMPA)

und

„Die kleine und die große Liebe“

in München, Kammer-Lichtspiele am 18. Juli 1951 um 9.30 Uhr, Filme wie oben.

Curt Goetz begann

„Das Haus in Montevideo“

Curt Goetz begann im Rahmen der Domnick- Produktion mit den Dreharbeiten zu seiner moralischen Kcemödie „Das -Haus in Monte- video“ die-auf der Bühne der große Erfolg der letzten Berliner Saison war.

Curt Goetz und Hans Domnick schrieben das Drehbuch. Regie führt. Curt Goetz, der außerdem die Hauptrolle des Professors Trau- gott Hermann Nägler spielt. Valerie von: Mar- tens begleitet ihn wie im Leben als Marianne Nägler. Albert Florath erscheint als Pastor und Rudolf Reif in der Rolle des Bürgermeisiers. Ruth Nienhaus, Günther Vogt, Andrea Per- kams, Eckart Dux, Jack Mylong-Muenc, Inge- borg Körner und Lope Rica nennt die Be- setzungsliste in weiteren .Rollen.

Die Bildgestaltung liegt in Händen von Werner Krien, für die Bauten zeichnet Erich . Hasler verantwortlich, während Franz Grothe die Musik schreibt. Heinz Martin steuert den Ton und ‚Fritz Stapenhorst assistiertt Curt Goetz. Hans Domnick übernahm selbst die Produktionsleitung, während Frank Roell und Eberhard Krause die Aufnahmeleitung be- sorgen.

Die Domnick-Produktion erscheint leih der Herzog-Film.

im . Ver-

„Vater Goriot“ begonnen In den Babelsberger Althoff-Ateliers begann die Produktionsgruppe Adolf Fischer unter Re- gie von Georg EC. Klaren mit den Aufnahmen des neuen Defa-Films „Vater Goriot“, der nach dem gleichnamigen Balzac-Roman a T

Siegel Monopallilm K.6. Hamburg 1 Burchardstroße 8 'V Tel. 32 57 48/49 Telegr. Siegelfilm

München 15 FS:063/760 - Tel. 51 541 Landwehrstr. 1 Berlin Telefon 911012 Hamkurg Tel. 34 42 61-63 Frankfurt, Tel. 32912 u. 32146

Zentr-Filiale, FrankfurtM.

Taunvsstr.52-60Tel.34 951,53 Berlin W 15, Tel. 910125 Düsseldorf, Tel. 27356/27 Hamburg 36, 34 27 21/22 München 5, Tel. 23244/45

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Bundesalle 35, T.87 48